Sicht durch Brille auf Schrift
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Neues Logistik-System sieht Staus voraus

Für das im Oktober 2015 von ehemaligen Mitarbeitern des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI) gegründete Start-up „Synfioo“ könnte 2017 zum Jahr der Entscheidung werden. Im Juli stehen die beiden jungen Geschäftsführer Andreas Meyer und Marian Pufahl bei einer Kundenveranstaltung des Softwareriesen SAP mit einem neuen Kunden auf der Bühne. Sie hoffen, dass noch mehr Logistikkunden auf ihr Produkt aufmerksam werden. Mit modernster digitaler Technik soll „Synfioo“ bei Transportunternehmen für noch mehr Transparenz auf dem Weg von der Firma zum Kunden sorgen.

„Die Idee ist eigentlich einfach“

„Unsere Software ermöglicht den Logistikern, über alle Störungen, die es auf einem Transport geben kann, rechtzeitig Bescheid zu wissen“, sagt „Synfioo“-Mitbegründer Marian Pufahl. Drei Jahre lang hatten Softwareingenieure zusammen mit einem Logistikunternehmen am HPI das System entwickelt. „Die Idee ist einfach“, sagt Pufahl, nur auf die Umsetzung für die Logistikbranche sei noch niemand gekommen. „Die Logistikbranche interessiert sich sehr dafür, wann eine Lieferung ankommt.“ Zum Beispiel müsse sich die weiterverarbeitende Industrie auf Verspätungen einstellen. Das von der Gruppe entwickelte System fragt online automatisch alle aktuellen Störungen ab. Unter diese Störungen fallen der einfache Stau auf der A 9 ebenso wie die Verzögerungen am Eurotunnel in Calais. „Gerade an solchen Übergängen sind die Zeiten eng getaktet und ausgerechnet dort gibt es keine Kommunikation“, sagt Pufahl. „Synfioo“ nutzt dafür hunderte Webseiten vom Wetterdienst bis zur Stauinformation und zieht daraus Schlüsse. Aus der Kette der Verschiebungen errechnet „Synfioo“ die wahrscheinliche Ankunftszeit – eine sehr wertvolle Information für Kunden.

„Wir fokussieren uns bei Synfioo auf Datenverarbeitung“, sagt Pufahl. Das Gründerteam habe Prinzipien der Künstlichen Intelligenz, die rasche Auswertung einer großen Datenmenge nach einem bestimmten Algorithmus, speziell auf die Logistik angewandt. Damit sei das Produkt in dieser Branche ziemlich weit vorne und dürfte bei größerer Bekanntheit einschlagen. „Wir haben für dieses Jahr das Ziel, für eine Handvoll Kunden produktiv zu werden“, so der Geschäftsführer. Ganz viel verspricht sich „Synfioo“ von seiner Präsenz auf der neuen Online-Plattform RIO für die Transportbranche. Die beiden Geschäftsführer gehen auch davon aus, dass es bislang kein ähnliches Angebot auf dem Markt gibt. Das könne sich allerdings bald ändern, wenn die Vorteile der digitalen Revolution auch der Logistik bewusst würden.

„Die Ankunftszeiten werden in der Logistik immer wichtiger.“

Das noch junge Unternehmen im Potsdamer Standort Babelsberg sieht sich mit seinen derzeit neun Mitarbeitern in Brandenburg gut positioniert. Im Knotenpunkt der Hauptstadtregion von West nach Ost gibt es eine große Logistikbranche, die als Kundschaft infrage kommt. Mit ihrem System haben die jungen Leute bisher noch ein Alleinstellungsmerkmal. „Die Logistik hat die Digitalisierung eher auf anderen Gebieten vorangetrieben“, sagt Pufahl. Im Medienpark Babelsberg will das Unternehmen noch kräftig wachsen. Dank einer erfolgreichen Finanzierungsrunde können die beiden Geschäftsführer im Laufe des Jahres noch Mitarbeiter einstellen. An Bord kommen Produktentwickler und Marketingexperten. „Es wird jetzt notwendig, den Schwerpunkt auf den Vertrieb zu legen und unser Produkt am Markt zu platzieren.“